Graff-Braun, Andrea

Andrea Graff-Braun

AUTORIN | Das Kind in uns schläft nie … und ist immer bereit, zwischen Phantasie und Wirklichkeit zu wandern.
So ging es mir ein Leben lang.

Ab meinem achten Lebensjahr verfasste ich bereits erste ellenlange Aufsätze und kleine Geschichten, was nach meinem zwölften Lebensjahr in gefühlsakrobatischen, duseligen Liebesgedichten und tränenbenetzten Papierfetzen gipfelte und sich irgendwann zwangsläufig zwischen zu Hause und verschiedenen Schulen beinahe verlieren sollte. Ich wäre eine Traumtänzerin, hätte eine all zu blühende Phantasie. Der Meinung waren nicht nur meine Eltern. Trotzdem schrieb ich weiter und weiter. Ich konnte es ja verstecken, verbergen – brauchte doch niemand zu wissen! Wie ein roter Faden hat es sich durch mein Leben gezogen.
Und später – viel später …? So circa 25 Jahre …

Nie war ich mir sicher, ob das, was ich mir da so zusammengekritzelt hatte, jemals gut genug für eine Veröffentlichung wäre. Von kleineren Beiträgen in ansässigen Zeitungen, dem Kindergartenblatt, oder gefertigten Reden zu offiziellen Anlässen einmal abgesehen, habe ich mich nicht getraut mein „Geschreibsel“ einem Verlag anzubieten. Obgleich meine Kinder Moritz und Janine, Freunde, Bekannte und Verwandte mich immer bestärkten, dies doch mal in Angriff zu nehmen. Meine Tochter ist heute noch ein wenig böse mit mir, weil ich, ihrer Meinung nach, so viel versäumt habe. Kein Wunder! Waren doch all diese wundersamen, erfundenen Geschichten für diese beiden, welche mich auch dazu inspiriert hatten, damit ich sie ihnen vorlesen konnte.
Wanderschaft zwischen Wunsch und Realität, bis …
… eines Tages mein Mann mich erst einmal von der Last der Vergangenheit befreite und sich der unzähligen Geschichten, Märchen, Pseudophilosophie und Papierkorbgedanken annahm. Auf seine Art und recht vehement: „Wenn du das jetzt nicht endlich wegschickst, dann mach ich das – du Feigling!“
So kam es, dass mein erstes Buch mit dem Titel „Alltagsk(r)ämpfe“ unter meinem Mädchennamen Andrea Graff bereits ein Jahr später veröffentlicht wurde. In diesem Buch beschreibe ich lustige, wahrhaftige Geschichten aus dem Alltagsleben, die jedem Menschen passieren können. Doch immer noch schaute mich meine Familie von schräg nach quer an und meinte geschlossen: „Du kannst das doch noch besser! Was ist mit deinen Märchen?“
Tja – meine Märchen.

„Deine Geschöpfe haben schon viel zu lange im Glassarg gelegen“, meinte mein Mann und küsste mich an einem verregneten Sommertag unter unserem Kirschbaum. Um uns herum triefte die Welt von den Blättern, wir saßen trocken und sicher.
„Schreib doch mal von so ‘nem Tropfen, wie der aus den Wolken fällt und was so alles passieren kann, bis er wieder da oben ankommt.“
„Hmm“, war alles was ich entgegnete und an all die anderen Märchen dachte, die da noch in unzähligen Schubladen vor sich hindämmerten.
Dieses „Hmm“ verfolgte mich mit längeren Unterbrechungen beinahe drei Jahre. Schließlich wurde aus „‘Nem Tropfen“ – „Plitschi“, unser Lieblingskind. Nun erblickt der kleine Ha-Zwei-O-ler das Licht der Welt, mit tatkräftiger Unterstützung seines Urvaters.
Zunächst war weiter nichts geplant, als dass sein eigentlicher Erfinder das Cover des Buches gestaltet. Der hatte allerdings die Rechnung ohne seinen angetrauten Quälgeist gemacht. „Wenn ich das geschrieben habe, dann kannst du das malen – du Feigling!“
So kam es, dass seine liebevollen Illustrationen nicht nur auf dem Titelbild zu sehen sind, sondern auch ihren Weg zu meinen Geschichten fanden.

Es werden noch weitere Geschichten von Plitschi folgen, genauso, wie es eine Fortsetzung der Alltagsk(r)ämpfe gibt, und wenn ich meine Schublade öffne, dann schaut mich ein kleiner Wicht Namens Buschelpoppel verschmitzt grinsend an und fragt frech, wann er denn endlich rauskommen darf.

Lasst euch verzaubern, in einer real-phantastischen Welt.
Macht euch einen Spaß daraus, mit Plitschi aus allen Wolken zu fallen. Und wenn es das nächste Mal regnet, dann denkt daran, dass mit Plitschi alles angefangen hat … mit einem winzig kleinen Tropfen … und wie unendlich wertvoll und wichtig er für unser Leben ist.